{"id":294,"date":"2008-09-23T04:29:14","date_gmt":"2008-09-23T04:29:14","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.cylusion.local\/?p=294"},"modified":"2008-09-23T04:29:14","modified_gmt":"2008-09-23T04:29:14","slug":"hervorragender-vortrag-schach-und-literatur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.scv-jugend.de\/?p=294","title":{"rendered":"Hervorragender Vortrag: Schach und Literatur"},"content":{"rendered":"<p>Einen hochklassigen Vortrag bekamen die Anwesenden am Montag im Zentrum Aktiver Schachb\u00fcrger zu h\u00f6ren. Seit Jahren besch\u00e4ftigt sich GEorg Schweiger mit dem Thema Schach in der Literatur. Er besitzt 400 B\u00fccher, in denen Schach im Mittelpunkt der Handlung stehen, viele weitere streifen dieses Thema.<br \/>\nEr brachte zahlreiche B\u00fccher mit, unter anderem:<br \/>\n&#8211; Die SChachnovelle<br \/>\n&#8211; Lushins Verteidigung<br \/>\n&#8211; Im Auftrag der K\u00f6nigin<br \/>\n&#8211; Karl&#8230; und seine Liebe zum Remis<br \/>\n&#8211; Chess in Films<br \/>\n&#8211; Schachpers\u00f6nlichkeiten (Ein Buch das sich mit den vielen Promis besch\u00e4ftigt, die SChach gespielt haben)<br \/>\nDazu trug er mehrere GEdichte \u00fcber das SChachspiel vor.<br \/>\nWer den Politikteil einer Zeitung liest, wird sowieso mit SChachbegriffen maltr\u00e4tiert (setzte Matt, Rochade in der Politik, Zeitnot).<br \/>\nGro\u00dfes Lob und besten Dank an unser Zweitmitglied f\u00fcr einen fantastischen Abend!<br \/>\nDie Schachfreunde-Bestsellerliste<\/p>\n<p>DIESE LISTE HABE ICH AUS DEM INTERNET!!<\/p>\n<p>1) Vladimir Nabokov: Lushins Verteidigung<br \/>\nDas muss jeder Schachspieler, der sich f\u00fcr Literatur interessiert, einfach gelesen haben.<\/p>\n<p>2) Stefan Zweig: Die Schachnovelle<br \/>\nNach Lushins Verteidigung der literarisch anspruchvollste Schachroman.<\/p>\n<p>3) Thomas Glavinic: Carl Haffners Liebe zum Unentschieden<br \/>\nSehr gut: Der einzige Roman, in dem Schach ernstgenommen wird, nicht nur Folie f\u00fcr eine Geschichte ist.<\/p>\n<p>4) Wolfram Runkel: Schach. Geschichte und Geschichten<br \/>\nEine tolle Sammlung interessanter Geschichten rund ums Schach.<\/p>\n<p>5) Ernst Strouhal: Schach. Die Kunst des Schachspiels<br \/>\nSch\u00f6ner Bildband.<\/p>\n<p>6) Roswin Finkenzeller u.a.: Schach, 2000 Jahre: Das Spiel, die Geschichte, die Meisterpartien<br \/>\nNoch ein sch\u00f6ner Bildband.<\/p>\n<p>7)Tom Standage, Der T\u00fcrke<br \/>\nTolles Buch \u00fcber den ber\u00fchmtesten Automaten der Welt.<\/p>\n<p>8) Colleen Schafroth: Schach. Eine Kulturgeschichte<br \/>\nMal wieder ein sch\u00f6ner Bildband<\/p>\n<p>Ronan Bennett: Zugzwang, Bloomsbury, 311 Seiten, 19,90 Euro<br \/>\n Der Zar soll sterben. Eine Gruppe von Terroristen, vermeintlichen polnischen Freiheitsk\u00e4mpfern und der russische Geheimdienst schmieden ein Komplott, um den Monarchen ins Jenseits zu bef\u00f6rdern. Eine zentrale Rolle spielt dabei ausgerechnet ein Schachmeister&#8230;<br \/>\nRonan Bennett verwebt seine Story mit dem ber\u00fchmten Gro\u00dfmeisterturnier 1914 in St. Petersburg. Ob sein Schachmeister Rozental sich an Rubinstein orientiert, ist eigentlich egal. Leibhaftig auftreten d\u00fcrfen auf jeden Fall Recken wie Lasker und Capablanca \u2013 wenn auch nur kurz. Und Bennett baut auch noch eine Schachpartie zwischen zwei Protagonisten ein: Ab und zu taucht mal ein Diagramm auf, das den Fortschritt der Partie zeigt. Eine nette Stellung, die \u2013 passend zum Titel des Buches \u2013 mit einem \u201eZugzwang\u201c-Motiv endet.<br \/>\nEin Schachroman ist das Buch trotzdem nicht. Aber daf\u00fcr ist er gut geschrieben und spannend, was auch \u00fcber ein paar platte Szenen hinweghilft. Im vorrevolution\u00e4ren Russland geht es ordentlich zur Sache, wer Freund, wer Feind ist, ist nicht immer klar zu erkennen, ebenso wenig, wer wen warum ins Jenseits bef\u00f6rdert. Aber am Ende l\u00f6st sich alles zur Zufriedenheit des Lesers auf. Und der Schachspieler freut sich \u00fcber die kleinen Anleihen aus der Schachwelt. Mit Literatur im Sinne von Nabokov oder Zweig hat das nichts zu tun, aber als gute Unterhaltung, die deutlich aus der Masse der verungl\u00fcckten \u201eSchachromane\u201c herausragt, kann man das Buch allemal empfehlen. <\/p>\n<p>Bertina Henrichs: Die Schachspielerin, Hoffmann und Campe, 143 Seiten, 15,95 Eur<br \/>\n Die Schachspielerin \u2013 das ist die 42-j\u00e4hrige Eleni, die mit Mann und zwei Kindern auf der griechischen Insel Naxos lebt, und als Zimmer-m\u00e4dchen in einem Hotel arbeitet. Ihr schlichtes Leben ger\u00e4t ins Wanken, als sie eines Tages in einem der Hotelzimmer ein Schachbrett sieht, auf dem noch eine unvollendete Partie aufgebaut ist. Aus Versehen st\u00f6\u00dft sie eine Figur um, worauf sich nach und nach die aus der Chaostheorie bekannte Erkenntnis bewahrheitet, dass manchmal das kleinste Ereignis gravierende Folgen haben kann.<br \/>\nAuf Eleni \u00fcbt das Schachspiel eine gro\u00dfe Anziehungskraft aus, es verk\u00f6rpert ein anderes, ein freies Leben in der weiten Welt, die die Bauerntochter nie kennen gelernt hat. Allerdings hat sie keine Ahnung von den Regeln. M\u00fchsam und mit gro\u00dfer Hartn\u00e4ckigkeit lernt sie sie, mit der Zeit tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt von einem ehemaligen Lehrer und dessen Freund.<br \/>\nEigentlich geht es um Selbstfindung und den Ausbruch aus Konventionen. Eleni muss einige Widerst\u00e4nde \u00fcberwinden, Freundinnen, Nachbarn und vor allem ihr Mann halten nicht viel von ihrer neuen Leidenschaft, die wenig mit dem zu tun hat, was die Inselbewohner mit einer typischen Frauenrolle verbinden. Die Story w\u00e4re zu Ende, wenn sich zeigen w\u00fcrde, dass Elenis Grips nicht \u00fcber die Gangart der Figuren und vielleicht noch das Sch\u00e4fermatt hinausreicht. Also offenbart sie ihren staunenden Lehrern bald ein gro\u00dfes Naturtalent, spielt immer besser, schl\u00e4gt ihre Lehrmeister und darf schlie\u00dflich an einem Turnier in der gro\u00dfen Stadt Athen teilnehmen, bei dem sie prompt zwar nicht gewinnt, sich aber sehr achtbar schl\u00e4gt. Was ihre traditionsbewussten Mitmenschen davon halten, soll hier mal nicht verraten werden.<br \/>\nAls Leser bleibt man mit dem Gef\u00fchl zur\u00fcck, ein nettes kleines B\u00fcchlein gelesen zu haben. Dass gerade das Schachspiel zum Vehikel f\u00fcr Elenis Selbstbefreiung wird, mag einigerma\u00dfen unwahrscheinlich sein, vielleicht wirkt es auch ein wenig  konstruiert. Aber so viele Romane gibt es nicht, in denen Schach eine wichtige Rolle spielt, also wollen wir da als Schachspieler nicht kleinlich sein. Abgesehen davon: Nat\u00fcrlich trauen wir Schach zu, die Welt zum Besseren ver\u00e4ndern zu k\u00f6nnen, irgendwie, die kleine Welt eines Zimmerm\u00e4dchens umzukrempeln ist also eigentlich nur ein Klacks f\u00fcr K\u00f6nigs und Co. <\/p>\n<p>David Edmonds, John Eidinow: Wie Bobby Fischer den Kalten Krieg gewann. DVA, 432 Seiten, 22,90 Euro.<br \/>\n Das WM-Match Fischer-Spasski ist bis heute ein legend\u00e4res Ereignis. Nie zuvor, und wahrscheinlich auch niemals sp\u00e4ter, gab es einen Schach-Wettkampf, der so au\u00dferordentlich viel Aufsehen erregte. F\u00fcr ein paar Monate im Jahr 1972 wurde die isl\u00e4ndische Hauptstadt Reykjavik zum Mittelpunkt der (Schach-)Welt. Die amerikanischen Journalisten David Edmonds und John Eidinow haben sich das Spektakel noch einmal vorgenommen, und Schritt f\u00fcr Schritt nachgezeichnet, wie es ablief, warum es eine so gewaltige Wirkung hatte. Das ist nat\u00fcrlich f\u00fcr jeden Schachspieler ein interessantes Buch, allein schon deshalb, weil es um den Mythos Bobby Fischer geht. Die Autoren haben mit zahllosen Zeitzeugen in den USA, in Russland, Deutschland und Island gesprochen. Vor allem die russischen Teilnehmer des Spektakels konnten inzwischen, nach dem Ende der Sowjetunion, offener \u00fcber die Vorg\u00e4nge Anfang der 70er berichten. Au\u00dferdem konnten lange in Moskau unter Verschluss gehaltene Dokumente ausgewertet werden.<br \/>\nDas Buch erz\u00e4hlt neben Biographischem \u00fcber die Kontrahenten vor allem ihren Weg zur WM: Wie Spasski sich mit einem kleinen Team gegen Widerst\u00e4nde der Partei- und Schachorganisation auf den Kampf vorbereitete, und wie Fischer seine Gegner Taimanow, Petrosian und Larsen vom Brett fegte. Und dann nat\u00fcrlich die endlosen Verhandlungen vor und w\u00e4hrend der WM. Fischers Eskapaden, die st\u00e4ndige Furcht der Organisatoren, der durchgeknallte Amerikaner k\u00f6nne das Match jederzeit einfach abblasen, und ihre wenig r\u00fchmliche Strategie, ihm ohne gro\u00dfe R\u00fccksicht auf Spasski praktisch alle W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen. Das kleine Reykjavik brauchte das Ereignis &#8211; in Paris oder London h\u00e4tte man sich die Sondertouren des Schachgenies wahrscheinlich nicht bieten lassen. Deutlich wird dabei Spasskis Fehler, in den ersten Wochen eher gutm\u00fctig den Forderungen des Amerikaners zuzustimmen, wodurch er psychologisch in eine defensive, unterlegene Position geriet. So sa\u00df Spasski zeitweise auf einem simplen B\u00fcrostuhl, der ihm vollauf gen\u00fcgte, w\u00e4hrend Fischer sich einen edlen Sessel aus den USA hatte einfliegen lassen: Man muss kein Psychologe sein, um sich vorzustellen, dass das irgendwie unbehaglich sein kann &#8211; vor allem, wenn man anf\u00e4ngt, Partien zu verlieren.<br \/>\nSpasskis Probleme mit den Funktion\u00e4ren und seine eher laxe Vorbereitung werden ebenso beleuchtet wie Fischers bizarres Beraterteam, deren Mitglieder meist selbst nicht wussten, was Fischer nun genau wollte, und sicherheitshalber lange Forderungslisten vorlegten und endlose Debatten vom Zaun brachen. Heute w\u00fcrde man das Zerm\u00fcrbungstaktik nennen. Die Schachpartien spielen nat\u00fcrlich auch eine Rolle, aber keine \u00fcberm\u00e4\u00dfig gro\u00dfe: Meist wird nur kurz erl\u00e4utert, wer warum verloren hat, die Notationen fehlen v\u00f6llig. Um Analysen geht es auch gar nicht, das Buch soll auch f\u00fcr Leute, die nicht Schach spielen, interessant sein. Und das ist es. Edmonds und Eidinow ist eine gute, streckenweise spannende Darstellung des Schachspektakels gelungen, mit vielen aufschlussreichen Hintergr\u00fcnden, die ein klares Licht auf die handelnden Personen vor und hinter den Kulissen werfen. Der Mythos Fischer wird dabei ein gutes St\u00fcck weit entzaubert. Der Mann war ein Genie auf dem Schachbrett, jenseits der 64 Felder aber offensichtlich nicht nur ein Egozentriker, sondern auch psychisch nicht auf der H\u00f6he, was als einzige Erkl\u00e4rung f\u00fcr seine \u00fcblen politischen Ansichten herhalten mag. Entschuldigen kann man sie nicht.<br \/>\nSchade ist nur, das die Schlusspointe fehlt: Das Buch endet mit Fischers Verhaftung in Japan. Dass es ausgerechnet Island ist, dass ihm einen Pass und damit eine Zuflucht gibt, wodurch sich der Kreis am Ende wieder schlie\u00dft, haben die Autoren erst nach Drucklegung des Buches erfahren. In sp\u00e4teren Auflagen sollten sie das nacharbeiten und noch einmal in Reykjavik mit den Menschen reden, die sich 1972 um Bobby Fischer gek\u00fcmmert haben (ohne je ein Wort des Dankes daf\u00fcr geh\u00f6rt zu haben) und es heute wahrscheinlich wieder tun. Island scheint Fischer bis heute dankbar daf\u00fcr zu sein, f\u00fcr kurze Zeit weltweite Aufmerksamkeit erlangt zu haben. Und in der Erinnerung pflegen ja auch die positiven Dinge die negativen zu \u00fcberlagern. M\u00f6glicherweise ist es aber auch so, dass die angeblich so freundlichen Isl\u00e4nder tats\u00e4chlich Leidens- und Schmerzgrenzen haben, die weit, sehr weit jenseits des Normalma\u00dfes liegen. Vielleicht liegen Gutm\u00fctigkeit und Masochismus aber auch n\u00e4her beieinander, als man denkt.<\/p>\n<p>S. S. van Dine, Der Mordfall Bischof, Dumont, 287 Seiten, 7,95 Euro.<br \/>\n Der Titel spielt schon auf Schach an, die Kapitel enden stets mit einem schwarzen L\u00e4ufer und eben diese Figur spielt auch im Roman eine gewisse Rolle, wenngleich keine entscheidende. Hinzu kommt nat\u00fcrlich das Cover, das einen offenbar von einem L\u00e4ufer gemeuchelten K\u00f6nig zeigt, Blutlache inklusive.<br \/>\nAber w\u00e4hrend solche Indizien sonst eher darauf hindeuten, dass hier jemand irgendeinen hohlen Mist zu einem Krimi zusammengeschmiert hat, haben wir es diesmal wirklich mit einem soliden Detektiv-Roman zu tun. Eine Mordserie sorgt f\u00fcr Aufsehen, bei der die Opfer stets nach dem Muster bekannter Kinderreime ins Jenseits bef\u00f6rdert werden. Zwar ist ein Hauptverd\u00e4chtiger schnell gefasst, aber dummerweise gehen die Morde weiter \u2013 auch das geh\u00f6rt dazu:<br \/>\nDer Detektiv offenbart sein Genie am besten im Gegensatz zur Bl\u00f6dheit der Polizei.<br \/>\nDa au\u00dferdem noch ein paar Verd\u00e4chtige umkommen, reduziert sich die Zahl der m\u00f6glichen T\u00e4ter immer mehr&#8230; H\u00e4tte das Buch noch ein paar Seiten mehr, h\u00e4tte sich der Fall m\u00f6glicherweise von alleine gekl\u00e4rt.<br \/>\nIch gebs zu: Mir liegen solche Romane nicht. Ich habs mit John Dickson Carr versucht und nat\u00fcrlich auch mit dem gro\u00dfen Sherlock Holmes. Das liest sich so ganz nett, die Story ist irgendwie auch in Ordnung, aber Spa\u00df macht das nicht, dem Oberschlauen beim Kombinieren zuzugucken. Aber wer die Herren Carr und Holmes mag, der wird auch dieses Buch von van Dine sicher gut finden.<\/p>\n<p>Robert L\u00f6hr, Der Schachautomat, Piper-Verlag, 407 Seiten, 19,90 Euro<br \/>\n Mal wieder ein Roman, in dem der legend\u00e4re \u201eT\u00fcrke\u201c, der Schachautomat Wolfgang von Kempelens, eine zentrale Rolle spielt. Wir hatten ja schon \u201eSchach dem Kaiser\u201c, in dem es das mechanische Meisterst\u00fcck aus dem 18. Jahrhundert mit Napoleon zu tun bekam. Doch im Gegensatz zu jenem traurigen Buch ist Robert L\u00f6hr ein leidlich unterhaltsamer historischer Roman gelungen. Mehr Lob ist eigentlich nicht drin.<br \/>\nL\u00f6hr beschreibt, wie Kempelen mit einem Gehilfen den Automaten baut, sich einen Schach spielenden Zwerg sucht, um ihn darin zu verstecken, und bravour\u00f6s seinen Auftritt vor der \u00f6sterreichischen Kaiserin bew\u00e4ltigt. Doch offenbar \u00fcberraschend besteht die m\u00e4chtige Dame dann darauf, dass der T\u00fcrke noch oft auftreten m\u00f6ge, am besten den Ruhm \u00d6sterreich-Ungarns in ganz Europa verbreite. Damit geht der \u00c4rger los. Es gibt Neider, eine Spionin, verschm\u00e4hte Liebhaberinnen, stolze Husaren und den Zusammenprall eines Freigeistes (Kempelen), eines Juden (der Gehilfe) und eines gl\u00e4ubigen Katholiken (der Zwerg). Und ein paar Tote.<br \/>\nUnd das alles vor dem historischen Hintergrund des sp\u00e4ten 18. Jahrhunderts.<br \/>\nDie Story pl\u00e4tschert so vor sich hin, ab und zu sieht sich L\u00f6hr aber doch gen\u00f6tigt, sie mit ein paar unsinnigen Sexszenen zu w\u00fcrzen. Kann ja nicht schaden, oder jedenfalls nicht viel. \u00c4rgerlicher ist, dass die Charaktere nicht sonderlich \u00fcberzeugend sind: Der religi\u00f6s-eifernde Zwerg, der leider ab und zu aus Versehen mal jemanden um die Ecke bringt, darob untr\u00f6stlich ist, aber auch nicht so, dass er sich der Justiz (oder der Kirche) stellen w\u00fcrde, ist einer davon. Oder die Hure, die sich f\u00fcr Geld zum spionieren verleiten l\u00e4sst, dann aber doch irgendwie gel\u00e4utert wird, weil der Zwerg sie r\u00fchrt.<br \/>\nOder Kempelen, anfangs ganz der moderne untadelige Gentleman, der gern ein wenig bastelt, dann pl\u00f6tzlich der ruhms\u00fcchtige Eiferer, und schlie\u00dflich der Mann,<br \/>\nder zur Not auch locker \u00fcber ein paar Leichen geht. Von dem tumben Husaren ganz zu schweigen.<br \/>\nDa knirscht es dann doch ab und zu kr\u00e4ftig im Getriebe der Geschichte, die ein wenig zu konstruiert wirkt.<br \/>\nNa ja. Lesen kann man das alles irgendwie, wenn man keine besonderen Anspr\u00fcche stellt. Dieses Buch f\u00e4llt mal wieder in die Kategorie: Muss man sich nicht kaufen, kann man sich aber ganz gut schenken lassen. <\/p>\n<p>Peter Schweickhardt, Teufels Spiel, Alitera Verlag, 135 Seiten, 12 Euro.<br \/>\n &#8222;Roman in zwei Teilen&#8220; hei\u00dft es im Untertitel, gemeint ist: Die ersten 101 Seiten spielen im 17. Jahrhundert, der Rest in unserer Zeit. Schweickhardt erz\u00e4hlt die Geschichte der Marie Zauner, die in Konstanz w\u00e4hrend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges verd\u00e4chtigt wird, eine Hexe zu sein, weil sie ungew\u00f6hnlich gut Schach spielen kann. Die Inquisition nimmt sich die Fischers-tochter vor, l\u00e4sst sie jedoch wieder frei. Doch damit ist auch das Thema Schach vorl\u00e4ufig erledigt. Ab Seite 43 flieht Marie mit ihrer Familie sowie ihrem Freund und dessen Familie nach Amerika, wo sie sich erfolgreich und gesch\u00e4ftst\u00fcchtig eine neue Existenz aufbaut. Das ist alles sehr nett und teilweise spannend geschrieben, doch das &#8222;Schachzabelspiel&#8220; scheint Marie in dieser Zeit nicht mehr zu interessieren.<br \/>\nDas \u00e4ndert sich im zweiten Teil: Mary Fencer k\u00e4mpft in Cannes als erste Frau um die Schachweltmeisterschaft beider Geschlechter. Dieser Teil hat zwar viel mit Schach zu tun, ist aber daf\u00fcr leider insgesamt recht m\u00e4\u00dfig. Fencer-Mary ist eine Nachfahrin der Fischer-Marie, hat es in den USA inzwischen zur Milliard\u00e4rin gebracht, vernascht als Nymphomanin gern auch die Zimmerkellner in ihrer Luxussuite und liest st\u00e4ndig den mit Sexismen vollgestopften Mist, den die Boulevardpresse \u00fcber sie schreibt.<br \/>\nZuf\u00e4llig ist ihr Gegner, der amtierende Weltmeister, auch noch ein Nachfahre jenes Adeligen, mit dem die Fischer-Marie seinerzeit eine folgenreiche Liebesnacht verbracht hat. Und nat\u00fcrlich hat auch Mary Fencer auf ihrer Liebes-Villa schon mal ein paar hei\u00dfe Wochen mit ihrem Gegner verbracht &#8211; die Erinnerung daran sowie ein Zug, den Fischer-Marie vor 400 Jahren in ein Schachbuch gekritzelt hat, kosten ihn die Weltmeisterschaft.<\/p>\n<p>Icchokas Meras, Remis f\u00fcr Sekunden, Aufbau-Verlag, 159 Seiten, 6,50 Euro.<br \/>\n Das Motiv ist reichlich alt: Ein Schachspiel um Leben und Tod unschuldiger Menschen. Auch den Ort des Geschehens kennt man schon so \u00e4hnlich: Bei Paolo Maurensigs Die L\u00fcneburg-Variante ist es ein KZ, bei Icchokas Meras Roman \u201eRemis f\u00fcr Sekunden\u201c ist es ein j\u00fcdisches Ghetto. In beiden F\u00e4llen spielt ein Gefangener gegen den Kommandanten. Wobei das Buch von Meras bereits 1963 erschienen ist, Maurensig schrieb seins erst Anfang der 90er. Und: Meras ist deutlich besser.<br \/>\n\u00dcber die Geschichte des Schachspiels und der beiden Spieler hinaus ist es die Geschichte vom Leben im Ghetto und die Geschichte einer Familie in diesem Ghetto. Dadurch erh\u00e4lt der Roman viele Facetten, mehrere Handlungsstr\u00e4nge laufen parallel und werden aus verschiedenen Perspektiven erz\u00e4hlt. Die simple Grundidee des Schachspiels gibt eine Struktur vor, bleibt jedoch erfreulicherweise nur f\u00fcr eine der Geschichten entscheidend. Aus irgendeinem Grund, bevor ich mehr als den Titel kannte, habe ich lange gedacht, das Buch sei einfach nur schlecht. Das ist nicht wahr. Es ist ein guter Roman, wenngleich er nicht an das Niveau eines Zweig oder gar eines Nabokov heranreicht. Ein Tipp: Meines Wissens ist das Buch im \u201enormalen\u201c Buchhandel nicht lieferbar. Ich habe es \u00fcber Amazon bekommen, da scheint es noch Lagerbest\u00e4nde zu geben.<\/p>\n<p>Emanuel Lasker, Wie Wanja Meister wurde, Exzelsior Verlag, 16 Euro<br \/>\n Eine Erz\u00e4hlung aus der Schachwelt, hei\u00dft es im Untertitel. Ein Buch vom gro\u00dfen Weltmeister! Geschrieben 1937 im Moskauer Exil und rund 60 Jahre sp\u00e4ter erstmals im deutschen Original ver\u00f6ffentlicht. Na, wenn das kein Leckerbissen f\u00fcr schachspielende Leser ist! Ist es nicht. Oder sagen wir mal so: Als Erz\u00e4hlung, aus literarischer Sicht betrachtet, ist das B\u00fcchlein ziemlich schwach. Aber als Dokument, das einen Einblick in das Leben und die Gedankenwelt Laskers Ende der 30er Jahre gibt, ist es ganz ausgezeichnet.<br \/>\nLasker erz\u00e4hlt die Geschichte Wanjas, der sich vom ungeduldigen jungen Pionier zum wackeren Meister entwickelt. Als einer von vier Schachfreunden zeigt er fr\u00fch sein gro\u00dfes Talent, wird behutsam von seinem alten Mentor (indem unschwer Lasker selbst zu erkennen ist) gef\u00f6rdert, vervollkommnet sich auf ausgedehnten Reisen nach Europa und in die USA, und greift am Ende gar nach der Schachkrone. Lasker berichtet offensichtlich von seinen eigenen Erfahrungen in der Schachwelt, von ahnungslosen und korrupten Journalisten, verbohrten Funktion\u00e4ren, eingebildeten Sponsoren und neidvollen Schachmeistern, den ihr eigener Vorteil wichtiger als das Wohl des k\u00f6niglichen Spiels ist. Sogar Tarrasch kommt anonym vor: In der Person eines theoriew\u00fctigen Konkurrenten Wanjas, der diesem seinen Erfolg zun\u00e4chst missg\u00f6nnt, ihn sp\u00e4ter aber nach Kr\u00e4ften bejubelt \u2013 ganz wie einst der gro\u00dfe Tarrasch. Das macht das Buch interessant: Laskers Einblicke in die Schachwelt seiner Zeit, sein Kampf f\u00fcr neue Ideen und sein Protest gegen die \u00fcble finanzielle Lage der Schachmeister \u2013 f\u00fcr uns Normalspieler erfreulich ist, dass Laskers Forderung, Schachmeistern das Copyright auf ihre Partien zuzugestehen, nie umgesetzt wurde. Leider wird die Freude arg getr\u00fcbt durch die holzschnittartig gezeichnete Figuren, was sich sogar in der Namensgebung zeigt: Da gibt es den Journalisten Quick, den Gro\u00dfmeister Big, den gerechten M\u00e4zen Judge, den reichen Rich, den kleingeistigen Petit&#8230;.Gut und B\u00f6se sind leicht unterscheidbar.<br \/>\n Ebenso wird recht deutlich, dass in der Sowjetunion irgendwie fast alles besser ist als im Westen. Das muss man nat\u00fcrlich historisch verstehen, auf der Flucht vor den Nazis war Lasker der stalinistischen Sowjetunion, in der Schach tats\u00e4chlich musterhaft gef\u00f6rdert wurde, selbstredend dankbar. Ihm d\u00fcrfte auch klar gewesen sein, dass kritische Bemerkungen die Ver\u00f6ffentlichung des Buchs nicht unbedingt f\u00f6rdern w\u00fcrden. Deshalb muss man gro\u00dfz\u00fcgig \u00fcber die allzu platten Lobhudeleien hinwegsehen. Immerhin: Stalin wird nicht lobend erw\u00e4hnt, sondern konsequent totgeschwiegen. Nicht zuf\u00e4llig setzt Lasker seine Flucht in November 1937, zwei Monate nach Abschluss des Wanja-Manuskripts, fort, indem er in die USA reist. Das hatte zur Folge, dass die Ver\u00f6ffentlichung bis 1973 (!), damals auf russisch, auf sich warten lie\u00df.<br \/>\n Lasker hat auch ein paar Stellungen und Partien eingebaut, was f\u00fcr uns Schacher ganz unterhaltsam ist. Doch wie man nun Meister wird, erf\u00e4hrt man leider mitnichten. Klar wird: Nicht Buchwissen und billige Fallen machen den Meister, sondern kreatives Denken und das tiefe Verstehen der Dynamik und der Prinzipien des Schachs. So weit so klar so unverstehbar.<br \/>\n Also: Literarisch schlecht, sagen wir ein Stern, schachhistorisch sehr gut, f\u00fcnf Sterne, macht im Schnitt drei Sterne. Plus ein Bonusstern weil es halt von Lasker ist, plus ein Bonusstern, weil Michael Dreyer ein ausgezeichnetes Nachwort geschrieben hat, macht : f\u00fcnf Sterne<\/p>\n<p>Tom Standage, Der T\u00fcrke, Campus-Verlag, 224 Seiten, 21,50 Euro.<br \/>\n Das ist mal ein spannendes Schach-Buch. Standage erz\u00e4hlt die au\u00dfergew\u00f6hnliche Geschichte des \u201eT\u00fcrken\u201c, des ersten Schachautomaten. Den kennt mittlerweile ja wohl jeder aktive Schachfreund und nat\u00fcrlich wei\u00df man, dass in dem Kasten ein Mensch versteckt war oder versteckt gewesen sein muss, denn nur Computer k\u00f6nnen ordentlich Schach spielen und die gab es Ende des 18. Jahrhunderts bekanntlich nicht. Aber geradezu unglaublich ist, dass die Zeitgenossen des \u201eT\u00fcrken\u201c jahrzehntelang r\u00e4tselten, wie er denn nun funktionierte, nicht wenige hielten es schlicht f\u00fcr ein mechanisches Wunderwerk und seinen Erbauer, den Herrn von Kempelen, f\u00fcr ein Genie. Das war er auch: Als Mechaniker und Entertainer. Denn der \u201eT\u00fcrke\u201c war undurchschaubar wegen seiner technischen Raffinesse und seiner ausgekl\u00fcgelten Pr\u00e4sentation \u2013 Siegfried und Roy sind in gewisser Weise die direkten Nachfahren von Kempelens.<br \/>\n Standage beschreibt den Lebens- und Leidensweg des \u201eT\u00fcrken\u201c, seine gro\u00dfen K\u00e4mpfe gegen Benjamin Franklin, Napoleon und Katharina die Gro\u00dfe, die st\u00e4ndigen Versuche, seinen Mechanismus zu durchdringen und die erfolgreichen Gegenma\u00dfnahmen seiner wechselnden Besitzer. Das ist das Erstaunlich: Offenbar hat nie einer der beteiligten Personen, zum Beispiel die Schachmeister im Innern des Kastens, das Geheimnis einfach mal ausgeplaudert. Wer es wusste, hielt dicht. Selbst gro\u00dfe Geister wie Edgar Allan Poe versuchten sich an Erkl\u00e4rungen \u2013 er kam dicht dran, die letzte Enth\u00fcllung gelang aber auch ihm nicht. \u00dcber den \u201eT\u00fcrken\u201c hinaus, der 1854 bei einem Feuer verbrannte, gibt Standage interessante Einblicke in die Entwicklung der ersten Automaten und schl\u00e4gt einen klugen Bogen bis zu Deep Blue. Das letzte Kapitel, das sich mit den ersten Schachprogrammen befasst, ist leider nur kurz, aber absolut lesenswert.<br \/>\n Ein wirklich tolles Buch. Aber auch hier gibt es ein paar Abstriche: Zun\u00e4chst einige Druckfehler zu viel, dann h\u00e4tte ich mir noch ein mehr historische Bilder gew\u00fcnscht und schlie\u00dflich w\u00e4re es ein dem Wirken des \u201eT\u00fcrken\u201c angemessener Schluss gewesen, wenn Standage im Anhang sagen wir mal so zehn Partien (\u00fcberliefert sind noch mehr) des automatischen Meisters abgedruckt h\u00e4tte. Tats\u00e4chlich wird keine einzige Partie gedruckt \u2013 schade.<\/p>\n<p>Colleen Schafroth: Schach. Eine Kulturgeschichte, Knesebeck-Verlag, 169 Seiten, 49,80 Euro.<br \/>\n Mal wieder ein sch\u00f6ner Bildband. Die Autorin beschreibt allerdings nicht die Kulturgeschichte des Schachspiel, sondern vielmehr die der Schachfiguren. Sie ist Direktorin des Maryhill Museum of Art in Goldendale (Washington), weshalb ihr Interesse in erster Linie dem sich wandelnden Design der Figuren gilt. Das ist alles recht interessant: Wie die bei Indern und Persern zun\u00e4chst gegenst\u00e4ndlichen Figuren (d.h. es wurden z. B. Tiere konkret nachgebildet) bei den Arabern immer abstrakter wurden, bevor die Europ\u00e4er ihnen wieder erkennbare Formen gaben. Wie sich die Bezeichnungen der Figuren \u00e4nderten, warum der Turm bei uns als Turm, in Russland aber oft als Schiff dargestellt wurde. Oder warum welche Materialien verwendet wurden und welche herausragenden Stilrichtungen es gab, bis der universelle Staunton-Stil gefunden wurde, der bis heute die Schachfigurenwelt beherrscht. So nebenbei erf\u00e4hrt man noch allerlei \u00fcber das Misstrauen der Kirchen gegen das Schach, \u00fcber die Verbreitungswege, erste Schachb\u00fccher, die Bedeutung des Schachs bei den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und die Ver\u00e4nderung der Spielregeln, die das Schach immer mehr beschleunigten. Diese, f\u00fcr eine Kulturgeschichte z. T. besonders interessanten Aspekte, kommen in dem Buch allerdings recht knapp daher. \u00dcberhaupt bleibt der Text an vielen Stellen an der Oberfl\u00e4che, manche Passagen wiederholen sich auch das eine oder andere Mal. Aber vollauf entsch\u00e4digt wird man daf\u00fcr durch die vielen, vielen sch\u00f6nen Bilder von Schachfiguren aus aller Welt.<\/p>\n<p>Thomas Glavinic: Carl Haffners Liebe zum Unentschieden, Verlag Volk und Welt, 15 Euro.<br \/>\n Die Geschichte des Schachmeisters Carl Schlechter rund um seinen WM-Kampf gegen Emanuel Lasker im Jahre 1910. Ein ausgezeichnetes Buch &#8211; der einzige Roman, in dem Schach realistisch dargestellt wird. Sehr spannend schildert Glavinic den Wettkampf, sehr eindringlich die beteiligten Meister am und rund um das Brett. Ab und an schie\u00dft er ein wenig \u00fcbers Ziel hinaus &#8211; etwa bei den zu h\u00e4ufigen Wiederholungen in Bezug auf Schlechters Bescheidenheit -, doch das tr\u00fcbt die Freude an dem Buch nur unwesentlich. Glavinic, 26 Jahre alt, ist selbst ein guter Schachspieler und versteht sich auf die manchmal etwas absonderlichen Personen, die die Schachwelt bev\u00f6lkern. Er erz\u00e4hlt geradeheraus, ohne viele pseudogeistreiche Schn\u00f6rkel, die an sich spannende Geschichte eines gro\u00dfen Kampfes und eines tragischen Meisters. <\/p>\n<p>Patrick S\u00fcskind: Drei Geschichten, Diogenes, 129 Seiten, 2,50 Euro<br \/>\n Bei B\u00fcchern von Patrick S\u00fcskind darf man ruhig mal einen Moment verweilen und etwas n\u00e4her hinschauen \u2013 auch wenn es eher ein B\u00fcchlein denn ein richtiges Buch ist. \u201eDrei Geschichten\u201c steht auf dem R\u00fccken des Miniaturbandes aus dem Hause Diogenes, doch was den Schacher anlockt ist der Springer auf der Vorderseite. Und tats\u00e4chlich: Eine der drei kurzen Geschichten dreht sich um eine Schachpartie zwischen einem \u00e4lteren, eher unsympathischen aber grundsolide meisterlichen Schachspieler und einem jugendlichen Spieler voller Esprit, der im Stile Tals zu Werke zu gehen scheint. Was dort in einem Park, umlagert von Kiebitzen, auf und rund um das Brett passiert, ist gut erz\u00e4hlt und fein beobachtet \u2013 und die angemessene Pointe fehlt auch nicht. Nur leider viel zu kurz.<\/p>\n<p>Jacques Hannak: Wilhelm Steinitz. Der Michelangelo des Schachspiels, Edition Olms, 19 Euro.<br \/>\n Steinitz ist bekanntlich der Begr\u00fcnder des modernen Schachspiels, deshalb verspricht eine Biographie \u00fcber ihn eine spannende Lekt\u00fcre zu werden. Nur gesteht Hannak gleich zu Anfang des Buches, dass er \u00fcber Steinitz so gut wie nichts wisse &#8211; und darunter leidet das Werk ungemein. Steinitz erscheint als K\u00fcnstler und Kotzbrocken: Rechthaberisch, aufbrausend, gro\u00dfspurig und voller Wut auf jeden, der es wagt, seine bahnbrechenden Ideen zu bezweifeln. Seine Polemiken pflegen diffamierend zu sein, er versteht es, selbst Freunde gegen sich aufzubringen. W\u00e4ren da nicht diverse Siege gewesen, man h\u00e4tte den Mann wahrscheinlich von allen Turnieren ausgeschlossen. Soweit so interessant. Viel mehr bringt Hannak leider nicht: Er z\u00e4hlt Steinitzens Turniere auf und beschreibt blumig dessen Ergebnisse. Dazwischen erg\u00f6tzt er sich elend lang an dem banalen Gedanken aus dem Reich des kruden Materialismus, dass alle Entwicklungsphasen des Schachspiels letztlich direkt von der jeweiligen gesellschaftlichen Situation abh\u00e4ngen. Nach 80 Seiten f\u00e4llt ihm dann auch nichts mehr ein, weshalb er Steinitzens Erben von Marco bis Lasker verwurstelt. Er h\u00e4tte lieber 50 Partien von Steinitz anh\u00e4ngen sollen, doch im Buch findet sich nicht eine. Dieses Buch ist nur unentwegten Schach-Enthusiasten und unbedingten Steinitz-Fans zu empfehlen. <\/p>\n<p>Wolfram Runkel: Schach. Geschichte und Geschichten, Wunderlich-Verlag, 20 Euro.<br \/>\n Eine Geschichte des Schachspiels in kurzen Episoden. Nach jedem Abschnitt f\u00fcgt Runkel eine seiner Reportagen aus der Schachwelt ein, die er f\u00fcr die \u201cZeit\u201d geschrieben hat. Die sind oft noch interessanter als die eigentliche Historie des k\u00f6niglichen Spiels. Ein ungemein unterhaltsames und interessantes Buch, das zudem viele der sch\u00f6nsten und besten Partien der Schachwelt enth\u00e4lt. Eigentlich das ideale Geschenk f\u00fcr jeden Schachfreund &#8211; keine dr\u00f6ge Theorie, kein anspruchsvoller Roman, sondern einfach viele sch\u00f6ne Geschichten rund ums Schach.<\/p>\n<p>Paolo Maurensig: Die L\u00fcneburg-Variante, Insel-Verlag, 18 Euro (inzwischen auch als Taschenbuch).<br \/>\n Kein Thriller, wie der Klappentext zu versprechen scheint, aber trotzdem sehr spannend. Eine ungew\u00f6hnliche Schachpartie zwischen einem ehemaligen KZ-Lagerkommandanten und einem ehemaligen j\u00fcdischen KZ-H\u00e4ftling bildet den Hintergrund des Romans. Im KZ spielten die beiden um das Leben anderer H\u00e4ftlinge, nach dem Krieg will der Ex-H\u00e4ftling den Kommandanten aufsp\u00fcren, indem er einen jungen Meister ausbildet, der auf Turnieren stets eine bestimmte Variante spielt, auf die der Nazi &#8211; inzwischen Gesch\u00e4ftsmann und Schachmeister &#8211; irgendwann aufmerksam werden muss. Es ist eben die Variante, die im KZ immer wieder aufs Brett kam. Der talentierte junge Meister wird so zu einer Figur in einem lang vorbereiteten Mattangriff mit Todesfolge im wirklichen Leben. Nicht unbedingt ein genialer Roman, aber in Italien war er zu recht ein Bestseller und f\u00fcr ein paar aufregende Ferientage ist er allemal gut. <\/p>\n<p>Vladimir Nabokov: Lushins Verteidigung, Rowohlt, 7,50 Euro.<br \/>\n Ein unbedingtes Muss f\u00fcr jeden Schachspieler! Ein hervorragender Roman (zehn Jahre vor Stefan Zweigs Schachnovelle geschrieben) \u00fcber einen v\u00f6llig auf das Schach fixierten Meister, der von seinem Mentor durch halb Europa von Turnier zu Turnier geschleppt wird, bis er zum Anw\u00e4rter auf den WM-Titel avanciert. Doch Lushin verliert bei seiner Schach-Versessenheit zunehmend die Realit\u00e4tskontrolle, bis seine ganze Welt von seiner letzten, abgebrochenen Partie gegen seinen Erzfeind beherrscht wird. St\u00e4ndig wartet er auf den entscheidenden Zug, der ihm den vermeintlich teuflischen Plan seines Gegners verr\u00e4t. Alles, was um ihn herum passiert, scheint im Zusammenhang mit der Partie zu stehen. Es hei\u00dft, Nabokov habe als Vorbild f\u00fcr Lushin den gro\u00dfen Aljechin genommen, aber das ist nicht verb\u00fcrgt. Ein Meisterwerk! Wer gern mal ein gutes Buch liest und au\u00dferdem Schach spielt, sollte es auf keinen Fall vers\u00e4umen. <\/p>\n<p>Helmut Pfleger\/Gert Treppner: Brett vorm Kopf. Leben und Z\u00fcge der Schachweltmeister, Beck-Verlag, 11 Euro.<br \/>\n Das Buch stellt in kurzweiligen Portr\u00e4ts die Weltmeister von den arabischen Anf\u00e4ngen bis Kasparow vor. Den Autoren kam es darauf an, die Stars zwischen Genie und Klapsm\u00fchle grob zu charakterisieren, ihre hervorstechendsten Eigenschaften zu bestimmen und ihre gr\u00f6\u00dften Leistungen zusammenzufassen. Ein unterhaltsames, mit nur wenigen, auch f\u00fcr Laien verst\u00e4ndlich kommentierten Partien gespicktes Buch. Dass man als Vereinsspieler manche Anekdoten schon irgendwoher kennt, schadet wenig. <\/p>\n<p>Arturo P\u00e9rez-Reverte: Das Geheimnis der schwarzen Dame, Rowohlt-TB, ca 8,50 Euro.<br \/>\nEin altes Gem\u00e4lde zeigt zwei Ritter bei einer Schachpartie. Unter R\u00f6ntgenstrahlen entdeckt eine junge Restauratorin eine Inschrift: \u201cWer t\u00f6tete den Ritter?\u201d Was hei\u00dft das: Wer schlug den Springer (englisch: \u201cknight\u201d, also Ritter) oder wer ermordete den Edelmann, der seinerzeit tats\u00e4chlich unter mysteri\u00f6sen Umst\u00e4nden ins Gras biss? Gibt das Schachspiel einen entscheidenden Hinweis, den der Maler dann doch lieber nicht zu deutlich betonen wollte? Ein paar Morde unter Leuten, die mit dem Bild zu tun haben, verspricht eine spannende Story um jahrhundertealte Komplotte. Doch das Buch ist ziemlich schlapp: D\u00fcmmliche Charaktere, ein pseudogeistreicher Schachmeister und ein unbefriedigender Schluss. Kein Buch f\u00fcr Schachspieler, wohl aber f\u00fcr Laien, die m\u00f6glichst wenig Ahnung vom Schach haben sollten. Unter dem Titel \u201cGeheimnisse\u201d wurde das Buch sogar verfilmt \u2013 der Film ist noch schlechter als das Buch. <\/p>\n<p>Stefan Zweig: Die Schachnovelle, Fischer-TB, 5 Euro.<br \/>\nNeben Nabokos \u201cLushins Verteidigung\u201d (siehe oben) ist die Schachnovelle wohl das beste literarische Werk, in dem Schach eine besondere Rolle spielt. Auf einem Passagierdampfer kommt es zum Spiel des amtierenden Weltmeisters (ein dumpfer Grobian) gegen einen Mann, der sich als Gefangener in einem kleinen Zimmer mit einem Schachbuch gegen die perfide Zerm\u00fcrbungstaktik der Nazis gewehrt hatte. Ohne Brett und Figuren spielte er die Partien aus dem Buch im Kopf nach. So lange, bis er alle 150 auswendig konnte, die Z\u00fcge verstanden hatte und begann, im Kopf gegen sich selbst zu spielen &#8211; was schlie\u00dflich zu einem Nervenzusammenbruch und letztlich zu seiner Entlassung aus der Haft f\u00fchrte. Auf dem Dampfer sitzt er zum erstenmal an einem richtigen Brett: Er gewinnt die erste Partie, doch in der zweiten bef\u00e4llt ihn wieder das \u201cNervenfieber\u201d, Wahn und Wirklichkeit geraten durcheinander und im letzten Moment bricht er die Partie ab. Die 1941 im Exil geschriebene Novelle ist nicht nur ein literarisches Meisterwerk, sondern nat\u00fcrlich auch eine Anklage gegen den Nationalsozialismus. Letztlich sitzen sich der Vertreter des zivilisierten Abendlandes, des B\u00fcrgertums, und die rohe Gewalt gegen\u00fcber, die letztlich obsiegt.<\/p>\n<p>Roswin Finkenzeller, Kleine Philosophie der Passionen: Schach, dtv, 124 Seiten, 7,50 Euro.<br \/>\nKEIN Stern<br \/>\n Hochtrabender Titel, doch bereits das erste Kapitel holt den Leser abrupt in die so genannte Realit\u00e4t zur\u00fcck. Denn Herr Finkenzeller konnte der Versuchung nat\u00fcrlich nicht widerstehen, just mit dem abgenudelten Bild des d\u00fcmmlichen Frauchens zu beginnen, das auf Figuren und Schachclub ihres Freundes eifers\u00fcchtig ist &#8211; bis sie einsieht, dass Schach ja eigentlich doch gar nicht soo doof ist. Es f\u00e4ngt schwach an und steigert sich leider nur m\u00e4\u00dfig. Zu vielen bekannten Themen f\u00e4llt dem Autor etwas ein: der &#8222;typische&#8220; Schachspieler, die Schachsprache, der Schachklub, Gewinntipps, Computer, Schrullen und auch an die Frauen denkt er immer mal wieder. Doch was er uns zu sagen hat, ist reichlich banal. Zwar fehlt es hier und da nicht an einem gescheiten Gedanken. Insgesamt hangelt sich der gute Mann jedoch nur durch ein wackeliges Ger\u00fcst von Wortspielen, uralten Anekdoten und allgemeinen Betrachtungen. Statt \u00fcber das Schach zu philosophieren, verbreitet er Weisheiten, die mit Schach genau so viel oder wenig zu tun haben wie mit Backgammon, Skat oder Fu\u00dfball. Da auch der Stil rasch die Nerven strapaziert, lautet hier das Fazit: Auf dieses Buch k\u00f6nnen wir verzichten.<\/p>\n<p>David Hood, Schach und Matt, Knaur, 394 Seiten, 7,50 Euro.<br \/>\nKEIN Stern<br \/>\nDer Klappentext verspricht &#8222;ein Spannungsvergn\u00fcgen der besonderen Art\u201d. Da wei\u00df man eigentlich gleich, dass man sein Geld sparen sollte&#8230; Also: Es gibt da einen genialen, aber nat\u00fcrlich sozial gest\u00f6rten jungen Schachspieler namens John. Der hat einen Opa, der vor 50 Jahren Physiker in Cambridge war und im Zweiten Weltkrieg keine Atombombe f\u00fcr die Briten oder sonstwen bauen wollte. Aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden oder so. Stattdessen entdeckt er die Kernfusion, die alle Energieprobleme der Menschheit l\u00f6sen w\u00fcrde. Das mag er aber auch keinem sagen, weil das den Kriegsausgang beeinflussen k\u00f6nnte. Leider wissen ein paar Leute, was er wei\u00df &#8211; deshalb machen ein paar Agenten ein bisschen Spektakel. Der Physiker flieht auf eine einsame Insel und kehrt erst in den 90ern zur\u00fcck in die Welt. Die wird heute bekanntlich von japanischen Konzernen und korrupten Politikern beherrscht, die sich brennend f\u00fcr das Wissen des immer noch schweigsamen Ex-Wissenschaftlers interessieren. Und der gest\u00f6rte Schachspieler will endlich einen Opa haben. Ach ja, eine tolle Frau, die sich aus unerfindlichen Gr\u00fcnden nachgerade leidenschaftlich f\u00fcr den Bl\u00f6dmann interessiert, gibt es nat\u00fcrlich auch noch. Das r\u00fchrt der britische Autor David Hood kr\u00e4ftig zusammen, gibt noch zwei Vater-Sohn-Konflikte dazu und schmiert einen &#8222;Thriller&#8220; zusammen, der den Leser wirklich traurig macht. Nun gibt es endlich mal einen Krimi, der mit Schach zu tun hat &#8211; und dann hat er doch gar nichts mit Schach zu tun. Was bleibt ist ein schwacher, literarisch sowieso wertloser Krimi.<\/p>\n<p>Roswin Finkenzeller, Wilhelm Ziehr, Emil B\u00fchrer: Schach, 2000 Jahre: Das Spiel, die Geschichte, die Meisterpartien,<br \/>\nParkland-Verlag, 208 Seiten, 20 Euro.<br \/>\nEin wirklich nettes Buch! Der erste Eindruck: Ein gro\u00dfformatiger Band mit vielen, vielen sch\u00f6nen Schachmotiven. Da gibt es historische und halbwegs moderne Schachszenen (Fotos und Gem\u00e4lde), k\u00fcnstlerisch mehr oder weniger wertvolle Schach\u00f6lbilder, Skulpturen und zahllose Abbildungen verschiedenster Schachfiguren. Alle zusammen illustrieren eine Geschichte des Schachs von den Anf\u00e4ngen in Indien und im Orient bis zu Kasparow. Dabei verfolgen die Autoren Schritt f\u00fcr Schritt, wie sich Regeln und Figuren ver\u00e4ndert haben. Hinzu kommen Streifz\u00fcge durch das chinesische Schach und kleinere Episoden \u00fcber Schachcomputer und Frauen am Brett. Die Texte sind kurzweilig geschrieben und voller Anekdoten und heiterer Spr\u00fcche gro\u00dfer Meister. Letztlich ist das Buch aber ohnehin eher ein Prachtband zum Gucken als zum zeilenweise Lesen. Das Bild auf der letzten Umschlagseite ist identisch mit dem auf der ersten &#8211; nur falsch herum gedruckt. Das d\u00fcrfte der Grund sein, warum das Buch statt der urspr\u00fcnglichen 75 Mark nur noch 39,80 Mark (im Schachversand) kostet.<\/p>\n<p>Ernst Strouhal: Schach. Die Kunst des Schachspiels, Nikol-Verlag, 462 Seiten, gibt\u2019s f\u00fcr etwa 10 Euro bei \u201e2001\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen hochklassigen Vortrag bekamen die Anwesenden am Montag im Zentrum Aktiver Schachb\u00fcrger zu h\u00f6ren. Seit Jahren besch\u00e4ftigt sich GEorg Schweiger mit dem Thema Schach in der Literatur. Er besitzt 400 B\u00fccher, in denen Schach im Mittelpunkt der Handlung stehen, viele &#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.scv-jugend.de\/?p=294\">Read More &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-294","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.scv-jugend.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/294","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.scv-jugend.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.scv-jugend.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.scv-jugend.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.scv-jugend.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=294"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.scv-jugend.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/294\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.scv-jugend.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=294"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.scv-jugend.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=294"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.scv-jugend.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=294"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}