Schweizer Gambit — DVM Tag 1

Unser Start ins Turnier begann aus einer relativ komfortablen Position heraus. Nach der endgültigen Mannschaftsmeldung am Montag Abend waren wir einen Setzplatz hochgepurzelt und spielten so gegen die Vorletzten aus Muldental Wilkau-Haßlau. Die Vorbereitung brachte nichts Verwertbares; für die beiden vorderen Bretter erwarteten wir wenig Überraschungen, die beiden Hinteren lagen durchaus im kritischen Bereich.

So startetet denn die erste Runde: Jakob spulte einen Italiener ab und Justus hatte seinen Gambitbauern zurückerobert; stand etwas aktiver. Clemens begann recht bald, seinen Gegner zu zerlegen und Christian nahm sich etwas Zeit, um „seinen Dampfwalzenmodus“ warmlaufen zu lassen. Doch irgendwie war die Weihnachtspause noch nicht ganz abgeschüttelt. Jakob stellte eine Figur ein und Justus erschrak ob eines unerwarteten Läuferzugs derart, dass er sich in immer größere Verwicklungen stürzte. Am Schluß stand er mit einem Turm weniger da und der Rest der Partie lief auch nicht besser. Am Schluß blieb ein Unentschieden, was wir positiv unter „Schweizer Gambit“ verbuchten.

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Die U12-Mannschaft in ihren neuen Hoodies

Für die zweite Runde rechneten wir damit, dass wir gegen eine der „gemäßigt oberen“ Mannschaften spielen würden. Umso größer die Überraschung, als es dann die zweiten Bayern aus Fürth wurden. Prinzipiell hatten wir sie ja im „bayrischen Finale“ besiegt, aber aus der Erfahrung mit den Tarrasch-Begegnungen wussten wir, dass das nicht viel hilft. Insbesondere, da Christian in Fürth auf dem falschen Fuß erwischt wurde und sich in ein Remis retten musste – störende Erinnerungen.

So starteten dann ein symmetrischer Engländer, Schottisch, Caro-Kann und als Überaschungskiste an Brett eins: ein Wolga-Gambit … was Christian früh ins Grübeln brachte. Justus an vier spielte deutlich gefasster als eben noch und erarbeitete sich eine Qualität; Jakob griff an, griff an einem Matt in drei vorbei und stellte einen Läufer ein. Ooops. Clemens drückte und gewann bald zwei Bauern; ein Remisgebot wurde abgelehnt, bevor es richtig vorgebracht wurde. Und Christian hatte mit zunehmend unangenehmen Problemen zu kämpfen. Bald stand es dann 1:1 (Clemens, Jakob); bei Christian setzte sich der Staub und ließ zwei Bauern weniger für ihn. Und Justus tauschte gezielt alle Bauern ab. Übrig blieb ein Endspiel mit Turm gegen Läufer – nur das. Keine Gute Lage für uns. Nachdem aber nichts mehr zu verlieren war, ließen wir sie mal weiter spielen — der „Deputy-Chief-Arbiter“ schaute kurz vorbei und fragte, warum die noch weiter spielen — aber anscheinend gingen beide Spieler davon aus, dass „der Turm gewinnt“. Und wenn man das erst mal glaubt, dann stellt man schon mal seinen Läufer ein. Uiuiui, halleluja.

Justus gewann also noch seine Remis-Stellung und Christian kapitulierte irgendwann angesichts der gegnerischen „Gratis-Freibauern“ (zwischendrin kostete eine widerlegte Taktik noch den Springer). Schon wieder Unentschieden gegen einen nominell schwächeren Gegner. In der Mannschaft machte sich vorsichtiger Missmut breit; aber letztendlich hätten wir mit Sieg und Niederlage ähnlich viele Punkte eingefahren. Und obwohl wir uns also „nicht bewegt“ hatten, standen wir am Ende des Tages einen Tabellenplatz weiter oben.

Mal schaun, was morgen „nach der Aufwärmphase“ kommt.